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Deutliche Neuordnung beim Energieverhalten privater Haushalte

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- Studienergebnisse zeigen, dass immer mehr Immobilienbesitzer eine umweltbewusste Grundeinstellung zeigen und bereit sind, mehr Geld für nachhaltiges Bauen zu investieren.

  • Quelle: Baufi24
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Ein hohes Umweltbewusstsein und der zunehmende Kostendruck treiben den Wunsch nach mehr Energiesouveränität privater Haushalte. Diese Erkenntnis geht aus der repräsentativen Studie „Ökologische Nachhaltigkeit als Treiber der Transformation des Wohnens“ hervor. Herausgeber sind die Technische Universität Darmstadt und der unabhängige Immobilienfinanzierungsvermittler Baufi24.

Ökologische Nachhaltigkeit liegt im Trend. Die empirische Studie unter Eigentümer/-innen und Kaufaspirant/-innen zeigt: Für Veränderungen im deutschen Wohnungsmarkt sind zwei zentrale Treiber ausschlaggebend - ein hohes Umweltbewusstsein sowie ein zunehmender Kostendruck.

Rund 71 Prozent der Befragten sind durch eine umweltbewusste Grundeinstellung geprägt. Das Bewusstsein spiegelt sich auch in der finanziellen Bereitschaft wider, mehr Geld für Nachhaltigkeit auszugeben: Rund 50 Prozent der Befragten würden für umweltbewusstes Wohnen bis zu zehn Prozent des Immobilienwerts zusätzlich investieren, weitere 23 Prozent sogar mehr als zehn Prozent. Bereits ein Drittel der privaten Immobilieninvestorinnen und - investoren, die im Eigentum wohnen, bewerten die energetische Qualität ihrer Immobilie als überdurchschnittlich. „Wir sehen, dass der Trend zu mehr ökologischer Nachhaltigkeit noch am Anfang steht, sich aber immer mehr etablieren wird“, weiß Prof. Dr. Andreas Pfnür, der die Studie seitens der TU Darmstadt leitet.

Der steigende Kostendruck hat angesichts des Konflikts in der Ukraine, Ressourcenknappheit und Befürchtungen um eine Gasmangellage den Wunsch nach Energieautarkie stark verschärft. 81 Prozent der privaten Haushalte wollen in Zukunft möglichst wenig Energie von Drittanbietern beziehen und somit die Energiekosten verringern. Schon heute geben 57 Prozent der Befragten laut eigener Angaben teils deutlich mehr als 30 Prozent ihres Netto–Haushaltseinkommens für Wohnen aus.

„Die Nachhaltigkeit am Bau durchlebt einen dramatischen Wandel, denn die überwältigende Mehrheit der Immobilienbesitzerinnen und -besitzer sowie der Kaufaspirantinnen und -aspiranten stimmt zu: Nicht nachhaltig zu bauen ist aufgrund der steigenden Nebenkosten nur noch schwer leistbar. Damit haben wir eine ökonomische Trendwende in Richtung Energiesouveränität in Rekordzeit erreicht“, betont Tomas Peeters, Baufi24-CEO.


Der Wunsch nach mehr Energiesouveränität führt zu vier Anpassungen an ökologische Nachhaltigkeit im Wohnungswesen, die im Rahmen der Studie identifiziert wurden:
 

1. Schon im Bauprozess wird die Immobilie auf Nachhaltigkeit ausgerichtet

Umweltbewusstsein und Kostendruck beeinflussen eine Immobilie bereits im Bauprozess. 6 von 10 Befragten halten industriell vorgefertigte Immobilien für zukunftsfähig, da diese in ihrer Bauweise kostengünstiger sind. Um Abhängigkeitsverhältnisse von Rohstoffen und Lieferketten, wie im Zuge der Corona-Pandemie und des Ukraine-Russland-Krieges, zu vermeiden und um Umweltbelastungen beispielsweise durch unnötige Transportwege zu reduzieren, werden regionale Baumaterialien von der Hälfte der Befragten als wichtig erachtet.

2. Hohe Investitionsbereitschaft in verbesserte technische Gebäudeausstattung

Die Deutschen reagieren auf die veränderten Rahmenbedingungen im Wohnungswesen mit einer hohen Bereitschaft zur Investition in die technische Ausstattung ihrer Gebäude. 82 Prozent der Befragten ziehen beispielsweise eine Investition in Solaranlagen, Wärmepumpen oder Stromspeicher in Betracht. Hinzu kommt, dass das durchschnittliche Baujahr bei selbstnutzenden Eigentümer/-innen mit 1975 schon länger zurückliegt. „Dieses Ergebnis bringt hohes Potenzial für die Immobilienbranche mit sich. Durch die Investition in regenerative Energien kann die Bevölkerung sowohl zunehmende Kosten vermeiden als auch dem eigenen Umweltbewusstsein gerecht werden“, schlussfolgert Pfnür.

3. Ein Standort im Grünen wird der Nähe zu Familie und Freunden vorgezogen

Fast 90 Prozent der Deutschen ist die Nähe zu Grün- und Freiflächen wichtig. Hingegen halten nur knapp drei Viertel der Befragten die Nähe zu Familie und Freunden in ihrer Standortwahl für bedeutsam. Daraus lässt sich schließen, dass der ländliche Wohnraum in Zukunft an Attraktivität gewinnt, was auch die Ballungsgebiete entlasten würde. Im Grünen soll aber nach wie vor das klassische Eigenheim stehen. Sieben von zehn Befragten bevorzugen ein freistehendes Einfamilienhaus als zukünftigen Haustyp. Diese präferierte Wohnform überrascht im Hinblick auf Umweltbewusstsein und Kostendruck. Denn insbesondere diese Wohnform ist mit einem hohen Bedarf an Fläche, Baumaterialien und Energie verbunden.

4. Flächeneffiziente und flexible Grundrisse sparen künftig Energie

Überschüssige Fläche lässt die Nebenkosten steigen. Dennoch geben über ein Drittel der Befragten an, mehr Platz zur Verfügung zu haben, als sie benötigen. In Zukunft wird für 80 Prozent der Befragten effektive Flächennutzung bedeutsam. Über die Hälfte der privaten Haushälter erachtet flexible Grundrisse als wichtig, um Energie und damit auch Wohnkosten einzusparen.

Die Studienherausgeber sind sich einig, dass die Ergebnisse Rückschlüsse auf die Wünsche und Forderungen aus allen Teilen der Bevölkerung zulassen: die Förderung hin zu ökologisch nachhaltigem Wohnen in individuellen Bestandsgebäuden und skalierbaren Neubauprojekten müssen stärker in den Fokus rücken, um den Herausforderungen an den Klimaschutz, der Ressourcenknappheit sowie der Wohnungsnot gerecht zu werden.


Kurzfassung der Studie „Ökologische Nachhaltigkeit als Treiber der Transformation des Wohnens“

 

Ökologische Nachhaltigkeit als Treiber der Transformation des Wohnens in Deutschland – Empirische Studie bei privaten Haushalten